VCS erfreut über Fortführung des Versuchs an der Aarauer Bahnhofstrasse

VCS erfreut über Fortführung des Versuchs an der Aarauer Bahnhofstrasse
Hier verkehren täglich 13’500 Fahrzeuge, rund 16’000 Personen queren die Strasse zu Fuss. Foto: VCS Aargau

Der VCS Aargau nimmt mit Genugtuung die Ergebnisse des Verkehrsversuchs «Mitenand statt gägenand» auf der Aarauer Bahnhofstrasse zur Kenntnis und freut sich, dass der aktuelle, gut funktionierende Betrieb beibehalten werden soll. Dies teilt er mit. Endlich gebe es ein Anschauungsbeispiel, das beweise, dass ein Koexistenz-Modell mit Tempo 30 auch auf Aargauer Strassen funktioniert, so der VCS Aargau.

Die präsentierten Ergebnisse kommen für den VCS nicht überraschend. Temporeduktionen auf Hauptstrassen für ein besseres Miteinander gebe ees in der Schweiz seit zwei Jahrzehnten und hättten sich bewährt. Das «Berner Modell» auf der Schwarzenburgerstrasse in Köniz sei gar ein Paradebeispiel für «Shared Space», also die rücksichtsvolle gemeinsame Nutzung von Verkehrsflächen. Die Aarauer Bahnhofstrasse weist mit ihrer hohen Verkehrsbelastung und den vielen Fussgängerinnen und Fussgängern eine sehr ähnliche Ausgangslage auf. Dass das Modell auch in Aarau funktionieren würde, überrascht deshalb nicht.

Ein Gewinn für alle

Eindrücklich seien die Aarauer Ergebnisse in ihrer Klarheit, so der VCS. Das Modell «Mitenand statt gägenand» bringt Freiheit für Fussgängerinnen und Fussgänger, Sicherheit für Velofahrende, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit für ÖV-Nutzende – und auch für den Motorfahrzeugverkehr gibt’s ein Goodie, nämlich eine kürzere Fahrzeit dank verbessertem Verkehrsfluss.

Was besonders angenehm auffalle, sei die Kultur der Rücksichtnahme, die sich schon in den ersten Tagen des Versuchsbetriebs eingestellt habe und seither das Verkehrsgeschehen auf der Bahnhofstrasse präge. Die Dominanz des motorisierten Verkehrs sei von einem respektvollen Miteinander abgelöst worden, "von dem letztlich alle profitieren".

"Tempo 30 national in Gefahr"

Zurzeit bereitet der Bundesrat ein Gesetz vor, das die Möglichkeit, Tempo 30 auf Hauptverkehrsstrassen einzuführen, stark einschränken will. Sinnvolle, lokal angepasste Lösungen wie in Aarau würden damit erschwert oder gar verhindert, befürchtet der VCS. Das wäre ein Rückschritt in ein Verkehrsregime, in dem der Starke gewinnt und die schwachen, ungeschützten Verkehrsteilnehmenden verlieren, schreibt der Verkehrsverband weiter: "Leidtragende wären vor allem Kinder, Seniorinnen, Velofahrende und Menschen mit einer Behinderung."

Der VCS wehrt sich "gegen den drohenden Rückschritt". Von der Politik erwartet der Verband, dass sie mit dem rechtlichen Rahmen ein Klima der gegenseitigen Rücksichtnahme im Strassenverkehr fördert, in dem sich Verkehrsteilnehmende mit Respekt begegnen. Angemessene Geschwindigkeiten seien dafür eine wichtige Voraussetzung. Mit einer aktuell laufenden Petition fordert der VCS Bundesrat und Parlament auf, Tempo 30 als Massnahme auf Hauptstrassen innerorts nicht in Frage zu stellen.